Der Mittelstand – kein ewiger Bedenkenträger in Sachen Cloud

30. Nov. 2011

Ein Kommentar von Rainer Zeitler, Vice President Enterprise Solutions Engineers EMEA, ASG Group

Jahrelang haben sich Marktbeobachter verwundert die Augen gerieben. Großunternehmen setzten früh auf Cloud-Konzepte, realisierten vor allem hausinterne Private Clouds. Der hiesige Mittelstand aber, Motor der Konjunktur und das eigentliche Schwergewicht der Wirtschaft, zeigte sich dem Trend gegenüber verschlossen. Dabei hätte er nach allen Theorien die größeren Vorteile aus der Cloud ziehen sollen, weil er auf diesem Weg IT-Leistungen erhalten kann, ohne verboten hohe Kapitalaufwendungen in die IT stecken zu müssen.

Völlig erwartungsgemäß haben sich hingegen Unternehmen aus Schwellenländern verhalten. Sie sind massenhaft auf Cloud-Services angesprungen. Auf diesem Wege war es ihnen eben möglich, trotz dünnster Kapitalausstattung an IT-Power zu kommen, die ihnen sonst unzugänglich geblieben wäre. Hier wurde die Wachstumschance erkannt. Hat der deutsche Mittelstand eine Gelegenheit zum Aufstieg verpennt?

Um die Antwort sofort zu geben: Hat er nicht. Der deutsche Mittelstand ist kein forscher Newcomer, vielmehr hat er lange Jahre Erfahrungen mit der IT. Viele leere Versprechungen hat er erlebt, eierlegende Wollmilchsäue wurden die Straße rauf und runter getrieben, jeder hat einer schon mal Perlen hingeworfen, die von Marktforschern und Industrie proklamierten Jahrhunderttrends kamen und verschwanden auch gleich wieder.

Es gibt Gründe genug, nicht gleich der Erste sein zu wollen, sondern sich immer auch die andere Seite der Medaille anzuschauen. Zweifelnde Fragen an die Anbieter waren früh da und durchaus angemessen: Wie reif ist die Technologie? Wie sicher ist der Datentransport via Internet? Wie hoch ist die tatsächliche Verfügbarkeit der Rechenzentren? Welche rechtlichen Grundlagen sind zu beachten? Wie viel kostet die Einführung und Integration von Cloud-Services? Die Cloud-Anbieter mussten diese Fragen schlüssig beantworten. Sie mussten erst einmal lernen, wie ein marktfähiges Service-Angebot auszusehen hat. „Beginne es klug und bedenke die Folgen“: Ein allgegenwärtiges Zitat, das sich der deutsche Mittelstand offensichtlich immer wieder ins Gedächtnis rief. Und von der Hand zu weisen war diese Einstellung nicht. Der Rauch ist mittlerweile verflogen, und es lassen sich die Früchte der Standardisierungsbemühungen von Anbietern und Gremien erkennen, sich nicht nur mit den zugegebenermaßen verlockenden technischen und kommerziellen Vorteilen zu befassen, sondern insbesondere die auf Menschen und Organisationen einhergehenden Veränderungen zu untersuchen und Konzepte an die Hand zu geben, diesen Paradigmenwechsel von Beginn an erfolgreich zu meistern. Nein, bange muss es einem heute nicht mehr sein, und offenbar haben beide Seiten gelernt. Diverse Umfragen von Marktanalysten stellen fest, dass nur noch ein sehr kleiner Teil der Unternehmen alles beim Alten lassen will, der größere Teil sich aber intensiver für Cloud Computing interessiert und sich daran macht, Services aus der IT-Wolke zu beziehen. Kürzlich hat eine Studie von Techconsult vor Augen geführt, wie rasant sich der Wandel vollzieht. Es sind das Dienstleistungsgewerbe und vor allem die Industrie, die zwei Kernsegmente des Mittelstands, welche innerhalb weniger Monate auf eine deutlich intensivere Cloud-Nutzung Kurs genommen haben. Und es sind vor allem Unternehmen mittelständischer Größe, die mit großen Schritten aufholen.

Der Mittelstand hat auch deswegen nicht blauäugig auf die Cloud gesetzt, weil er durchaus Erfahrungen mit dem Fremdbezug von IT-Leistungen hat. Besonders für kleinere Unternehmen hosten lokale oder branchenorientierte, oft mittelständische Systemhäuser seit Jahren die notwendigen Lösungen. Doch bisher nutzten die Dienstleister dafür dedizierte Umgebungen. Mit Cloud-Methoden geht es wesentlich einfacher und schneller, die Anforderungen eines Kunden umzusetzen. Das Angebot wird preisgünstiger und vielfältiger ausfallen. Beide Seiten gewinnen von diesem Typ der Managed Cloud.

Jene Unternehmen, die zumindest Teile ihrer IT im eigenen Hause behalten möchten, haben die Möglichkeit, neue Anwendungen aus der Cloud zu beziehen und in ihre Systeme zu integrieren. Ihnen eröffnen sich Perspektiven, die bisher vor allem deswegen nicht bezahlbar waren, weil die Personalkosten für die Administration weiterer Systeme zu hoch gewesen wären. Ganz zu schweigen von den Kosten einer sicheren IT-Umgebung.

Für beide Typen der Cloud-Nutzung im Mittelstand bietet ASG-visionapp mit der CloudFactory ein modulares Produkt, das sich präzise auf ihre Anforderungen zusammenstellen lässt. Und darüber hinaus haben wir die Beratungskompetenz, die Unternehmens-IT auf ihre neuen Rollen und Aufgaben, auf die mit der Cloud einhergehenden Veränderungen vorzubereiten. ASG-visionapp hat seine Wurzeln in Deutschland; die Besonderheiten des hiesigen Marktes waren immer unser Alltag.

Rainer Zeitler, Vice President Enterprise Solutions Engineers EMEA, ASG Group

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